Posts Tagged ‘china’

A LONG WAY HOME (2018)

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Dokumentarfilm

Luc Schaedler | go between films
CH 2018 | 73 | DE, EN, FR, Chin

Im Zentrum des Dokumentarfilmes «A Long Way Home» stehen fünf der bedeutendsten Vertreter der aktuellen chinesischen Gegenkultur: Die bildenden Künstler Gao Brothers, die Choreografin und Tänzerin Wen Hui, der Animationsfilmer Pi San und der Dichter Ye Fu.

Aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchten sie mutig und mit subversivem Witz die gesellschaftlichen Probleme ihres Landes. Allen gemeinsam ist dabei die Auseinandersetzung mit ihrer von Gewalt und Unterdrückung geprägten Vergangenheit. Ihre Vision ist eine demokratische, solidarische und menschliche Zivilgesellschaft.

A Long Way Home schickt uns auf eine faszinierende Reise, sowohl in die düstere jüngere chinesische Historie, als auch in die schillernde aktuelle Kulturszene des Landes. Dabei stellt der Film universelle Fragen, die letztlich uns alle betreffen: welche Werte bestimmen unsere kulturelle Identität und in was für einer Welt wollen wir leben? A Long Way Home ist ein unterhaltsames und bewegendes Plädoyer für menschliche Solidarität.

«Der Beginn meiner Auseinandersetzung mit China liegt mittlerweile über 25 Jahre zurück. Seit der brutalen Niederschlagung der Demokratiebewegung von 1989 bin ich wiederholt durch China gereist. Ich habe die ökonomische Entwicklung und den damit verbundenen politischen und gesellschaftlichen Umbruch Chinas ebenso erstaunt wie irritiert mitverfolgt: Was lösen äussere Ereignisse, Brüche und Veränderungen im Leben von Menschen aus, und was bedeutet dies für sie in ihrem Alltag?»
Luc Schaedler

INTERVIEW mit Luc Schaedler (04:30)
→ ALWH: Statement Regie
→ ALWH: Die Protagonisten
→ ALWH: Hintergrund
→ ALWH: Downloads
(Fotos & Presskit)

STREAMING | DOWNLOAD ↓

ALWH Poster def

A LONG WAY HOME (2018)
DE, EN, FR

 

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→ FESTIVALS

– Solothurner Filmtage (Schweiz)
Nomination Prix de Soleure
Nomination für Swiss Film Award
– Montréal, Festival des films du monde (Kanada)
– Dharamshala Intl. Filmfestival (Indien)
– Cracking the Frame (Holland)
– Internationales Filmfestival Innsbruck (Österreich)
– Fünf Seen Filmfestival, Starnberg (Deutschland)
– EPOS Intl. Art Filmfestival (2020), Tel Aviv (Israel)


Playlist (10 Clips):
Gao Brothers, Wen Hui, Pi San, Ye Fu, originaler Kuang Kuang Clip etc.

Poster of A Long Way Home


WATERMARKS (2013)

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Dokumentarfilm

Luc Schaedler | go between films
CH 2013 | 80 | DE, EN, FR, Chin

Anhand von drei Stationen erzählt der Dokumentarfilm «Watermarks» von den Brüchen, denen die Menschen im heutigen China durch die rasante Entwicklung ausgesetzt sind: im trügerisch-idyllischen Jiuxiancun im regenreichen Süden; im apokalyptischen Kohlebaugebiet von Minqin und Wusutu im ausgetrockneten Norden und in Chongqing, dem urbanen Moloch am Jangtsekiang.

Die Protagonisten sprechen über die unbewältigte Vergangenheit, die vertrackte Gegenwart und ihre zaghaften Schritte in die Zukunft. Der Film zeichnet dabei ein vielschichtiges Bild der Befindlichkeit der Menschen dieses komplizierten Landes.

«Seit der Niederschlagung der Demokratiebewegung im Jahr 1989 verfolge ich den Umbruch Chinas ebenso erstaunt wie irritiert: das Land gleicht einer Grossbaustelle und scheint sich auf der überstürzten Suche nach sich selbst zu befinden. In dieser vertrackten Gegenwart unternehmen die Protagonisten zaghafte und zugleich mutige Schritte in die Zukunft.»
Luc Schaedler

→ WaMa: Statement Regisseur
→ WaMa: Drehorte China
→ WaMa: Downloads (Fotos & Presskit)
→ WaMa: Distribution
→ WaMa: Schulmaterial

STREAMING | DOWNLOAD ↓

Watermarks Three Letters from China

WATERMARKS (2013)
EN, DE, FR

→ hier klicken  – 


 → FESTIVALS (Auswahl)

– Locarno, Semaine de la critique (Wettbewerb)
– Warszawa, Planete + Doc (Wettbewerb)
– Istanbul, TRT Awards (Bester Dokumentarfilm)
– Dublin, Silk Road Film Festival (Bester Dokumentarfilm)
– München DOK.fest Wettbewerb
– San Francisco, Golden Gate Awards
– Solothurner Filmtage Offizielle Auswahl


Playlist (10 Clips):
Unveröffentliche Szenen aus Watermarks

    Poster of Watermarks

    WaMa – Drehorte

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    Watermarks

     

    Minqin (Gansu Provinz) und Wusutu (Innere Mongolei) liegen beide im Kohle- und Industriegürtel der sich im Norden Chinas über etwa 1000 Kilometer von West nach Ost ausdehnt. Neben dem Raubbau an der Landschaft leidet dieses Gebiet an grosser Umweltverschmutzung und Wasserknappheit.

    Jiuxiancun (Guangxi Provinz) ist ein kleines Reisbauerndorf, das auf die Zeit der Qing Dynastie (1616-1912) zurückdatiert. Es liegt im regenreichen Süden von China unweit des Touristenmagnets von Yangshuo. Die Region ist berühmt für ihre ikonographische Landschaft aus der unzählige Karsthügel zwischen den Reisfeldern hochragen. In keiner Provinz hat die Kulturrevolution (1966-76) so verheerend gewütet wie in Guangxi.

    Chongqing (eigenständige Verwaltungseinheit) ist eine boomende Megacity am Jangtsekiang, dem grössten Fluss Chinas. Mit über 30 Millionen Einwohnern gilt sie zur Zeit als bevölkerungsreichste Stadt der Welt. Der Aufschwung der Stadt hat in den letzten Jahren an Intensität zugenommen und sie befindet sich im ständigen Umbruch.

    → Facebook.com/watermarksthefilm
    → Youtube.com/gobetweenfilms

    China Map all


    WaMa – Download

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    Watermarks

     

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    Wastewater Chongqing

    Abwasser, Chongqing

    Wei Jihua Minqin

    Wei Jihua, Minqin

    Flood Jiuxiancun

    Flut, Jiuxiancun

    Chen Chaomei Chongqing

    Chen Chaomei, Chongqing

    Frontiertown Wusutu

    Grenzstadt, Wusutu

    Li Yuming Jiuxiancun

    Li Yuming, Jiuxiancun

    Wu Dengming Chongqing

    Wu Dengming, Chongqing

    Li Yunchuang Jiuxiancun

    Li Yunchuang, Jiuxiancun

    Ricegrowing Jiuxiancun

    Reisanbau, Jiuxiancun

    Fishrestaurant Chongqing

    Fischrestaurant, Chongqing

    Wei Guancai Minqin

    Wei Guancai, Minqin

    Fishing Jiuxiancun

    Fischen, Jiuxiancun

    Fishingboat Chongqing

    Fischerboot auf dem Yangtse, Chongqing


    AM – Stellungnahme Regie

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    Angry Monk

    Die Idee zum Film ANGRY MONK – REFLECTIONS ON TIBET geht auf mehrere Reisen nach China, Tibet und Indien zwischen 1988 und 1999 zurück. Ohne es zu wissen, bewegte ich mich damals an denselben Orten wie der Protagonist des Films — über 50 Jahre vor mir. Seit 1988 beschäftige ich mich nun intensiv mit Tibet und vor allem damit, wie Tibet im Westen wahrgenommen wird.

    Gendun Choephel (1903-51) ist ein Wanderer zwischen den Welten – gleichzeitig Träumer, Rebell und Forscher. Er lebt in einer historischen Periode, die bestimmend für die Zukunft seines Landes ist — eingeklammert durch die Invasion der britischen Kolonialisten 1903 und den Einmarsch der Chinesen 1951. Tibet ist damals nicht das unzugängliche Shangri-La, wie oft behauptet wird, sondern ein zerrissenes Land an der Schwelle des Wandels. Die Versuche die veralteten Sozialstrukturen aufzubrechen und einen eigenen Weg ins 20. Jahrhundert zu finden, scheitern am Widerstand des konservativen Adels und der Klöster.

    Während sich Tibet abschottet, bleibt Gendun Choephel offen für neue Erfahrungen. Über seine Schriften, Artikel, Bilder und Skizzen hat er Spuren bis heute hinterlassen. Durch die kritische Beobachtung der eigenen Gesellschaft, die Hinwendung zu politischen Themen und dem Versuch, sie im Alltag umzusetzen, verkörpert er die Anfänge eines kritischen intellektuellen Denkens innerhalb der tibetischen Gesellschaft.

    In den letzten Jahren wurde Gendun Choephel sowohl im chinesisch besetzten Tibet wie auch im indischen Exil zu einer Identifikationsfigur junger Tibeter. Während die Eltern Tibet verloren haben, sucht die jüngere Generation nach Identifikationsfiguren, die einen kritischen Blick auf die eigene Gesellschaft erlauben. Im Westen jedoch wird er nur langsam wahrgenommen, weil seine Lebensgeschichte offenbar nicht in unser starres Bild passt, welches die Tibeter lieber als Opfer und nicht als Agenten ihrer eigenen Geschichte sieht.

    Luc Schaedler


    AM – Interview Regisseur

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    Angry Monk

     

    Weshalb der Titel ANGRY MONK?
    Ein Mönch darf eigentlich nicht «zornig» sein, so gesehen ist der Titel eine Provokation. Das war meine Absicht, denn gerade dieser Widerspruch ist ja auch ein Thema des Filmes. Unsere Wahrnehmung von Tibet entspringt mehr unseren Wunschvorstellungen, als der Realität. Auf Deutsch und Englisch schwingt aber im Titel eine Ironie mit, die in der tibetischen Übersetzung komplett verloren geht. Der Titel, musste ich feststellen, lässt sich nämlich gar nicht richtig auf tibetisch übersetzen. Die Kombination von «angry» und «monk» ist offenbar nicht vorgesehen.

    Was hat Sie dazu bewegt, einen Film über Tibet zu drehen?
    Ich bin sehr viel in Asien gereist und dabei oft auch nach Tibet gekommen, das erste Mal 1989, kurz nach dem Tiananmen-Massaker in Peking – zur gleichen Zeit gab es damals die Volksaufstände in Lhasa. Auch während meines Ethnologiestudiums habe ich mich dann mehrfach und eingehend mit Tibet beschäftigt. Ein Teil von mir bleibt immer auf Reisen, sucht die Auseinandersetzung mit dem Fremden und auch dem Fremdsein. Mein Film ist zweifellos auch ein Weg, um diese persönliche Auseinandersetzung weiterzuführen, ihr eine Form zu geben. Andererseits wollte ich damit auch gezielt in einen Diskurs eingreifen, an einer Diskussion teilnehmen, die seit langem im Westen über Tibet geführt wird.

    Bleiben wir noch kurz bei der Reise: Auch die grobe Struktur des Films ist die einer Reise. War das von Anfang an Ihr Plan oder hat sich das erst am Schneidetisch ergeben?
    Diese Idee war von Beginn weg vorhanden. Es macht auch Sinn: Denn das Leben von Gendun Choephel, meiner Hauptfigur, war eine Reise von der Provinz nach Lhasa, von dort ins Ausland und wieder zurück. Abgesehen von dieser äusseren besteht zudem die innere Reise eines Menschen, der geistig immer beweglich, immer «on the road» blieb. Und daneben, wie gesagt, die Tatsache, dass auch ich Tibet als Reisender kennengelernt habe. Eine letzte Ebene ist schliesslich die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit, die ja auch eine Art Reise ist: Mein Film bewegt sich hin und her zwischen Gegenwart und Vergangenheit, die sich wechselseitig spiegeln…

    …in der Gegenwart haben die Chinesen ja einiges zu sagen. War es eigentlich schwierig die Dreherlaubnis in Tibet zu bekommen?
    Mir war von vornherein klar, dass die Behörden genug Informanten haben und immer wissen würden, was läuft. Weder ganz heimlich zu drehen noch eine offizielle Bewilligung für ein grosses Projekt lagen deshalb im Bereich des Möglichen. Meine Idee war es deshalb, mit einem möglichst kleinen und unauffälligen Team zu arbeiten, nur der Kameramann Filip Zumbrunn und ich. Wir haben uns als Touristen ausgegeben und als videoverrückte Lehrer, die das Material zu Hause mit ihren Schülern anschauen und besprechen wollten. Teilweise haben wir die üblichen Aufnahmen auf dem Markt und im Kloster gemacht, wie sie alle Touristen machen (schmunzelt), doch wir haben auch Glück gehabt: Hätte man uns irgendwann richtig gefilzt, die vielen Videokassetten entdeckt, wer weiss… Andererseits, obwohl viel Chinakritisches im Film ist, war es nie mein Anliegen, einen Film gegen China zu drehen. Mich interessiert vor allem die innere Dynamik von Tibet und da ist China nur einer der Faktoren. Schliesslich bin ich auch der tibetischen Kultur gegenüber kritisch eingestellt.

    Was meinen Sie damit genau?
    Erstens bin ich sehr kritisch dem gegenüber, wie einseitig Tibet im Westen vereinnahmt wird: Als spiritueller Hort, als geistige Inspiration, bis hin zu Managern, die sich in buddhistischen Klöstern auf die nächsten Globalisierungsverhandlungen vorbereiten, um es etwas überspitzt zu formulieren. Ich glaube, damit schadet man dem Kampf um tibetische Unabhängigkeit, wenn das Land auf ein friedliebendes Pseudoparadies reduziert, nur als «Shangri-la» wahrgenommen wird und wenn man meint, jeder Tibeter habe eine spirituelle Message, eine Lebensweisheit für uns parat. Besonders problematisch scheint mir auch die Verklärung der Vergangenheit – nicht nur im Westen, auch bei den Tibetern selbst. Dass zum Beispiel knapp 5% der Leute das ganze Land kontrollierten, dass die Vermischung von Religion und Politik, eine teilweise unheilige Allianz zwischen Adel und Klöstern immer wieder nötige Reformen und eine Öffnung gegen aussen verhindert hat, wird gern verschwiegen. Gendun Choepel, aber auch andere, wie der Vorgänger des vierzehnten Dalai Lama, sind mit ihren Reformvorschlägen und einer gewissen Weltoffenheit immer wieder am Widerstand konservativer Kräfte gescheitert, die ihre Privilegien zu verteidigen wussten.

    Wollten Sie sich mit dieser kritischen, differenzierten Haltung auch von vielen anderen Dokumentarfilmen über Tibet absetzen?
    Auf jeden Fall! Es gibt unzählige Filme der ungebrochenen Bewunderung über Klöster, über den Lamaismus und auch über die Nomadengesellschaft, die als Überbleibsel einer Jahrhunderte alten, intakten Kultur gefeiert wird. Genauso wenig mag ich diese Politreportagen, die so tun, als sei Tibet eine zerstörte Kultur, komplett am Boden, und jeder Widerstand gegen die Chinesen sei endgültig gebrochen und letztlich zwecklos. Die Situation ist komplizierter und tatsächlich paradox: Einerseits wurde bereits seit dem Einmarsch 1950 und besonders während der Kulturrevolution unvorstellbar viel zerstört, ist man mit vernichtender Akribie bis in die letzten Winkel vorgedrungen. Andererseits beweisen die Tibeter jeden Tag, dass es durchaus ein Leben unter den Chinesen gibt. Sie haben ihre Kultur und Sprache bewahrt und doch mehr hinüber gerettet, als man denkt: Auch viele der Schriftstücke und Bilder von Choephel, die im Film vorkommen, wurden in Tibet bewahrt. So gesehen ist Gendun Choephel ein Teil dieses «Überlebens» geworden. Die Quintessenz ist, dass man die Tibeter nicht immer nur als Opfer sehen soll, sondern auch als Leute, die es sehr clever geschafft haben, Widerstand zu leisten und auch weiterhin Widerstandsgeist beweisen. Ich wollte auch nie einen rein biografischen Film über Gendun Choephel machen, sondern ich benutze ihn als Schlüssel, um die Geschichte und die komplexe Gegenwart Tibets aufzubrechen. Choephel war ein vielschichtiger Mensch, der für Veränderungen gekämpft hat und zugleich Zeit seines Lebens immer ein Buddhist geblieben ist, der sich nie von seiner eigenen Kultur abgewandt hat. Ausserdem habe ich bewusst nur tibetische Zeitzeugen von damals und jüngere Tibeter von heute über ihn sprechen lassen und alle westlichen Gelehrten und Tibetologen, die ich ursprünglich auch interviewt hatte, am Schluss herausgenommen…

    …und der Dalai Lama kommt auch nicht zu Wort…
    Oh ja, ganz bewusst. Es wäre wahrscheinlich nicht besonders schwierig gewesen, ein Interview mit ihm zu bekommen. Ich wollte aber nicht, dass seine Präsenz den Film erdrückt und die anderen Interviewpartner in den Hintergrund drängt. Egal, was er über Choephel gesagt hätte, es wäre für viele wie eine Bestätigung dafür, dass der Film gerechtfertigt ist. Das wollte ich nicht, ich wollte keinen «offiziellen Stempel». Ich erachte es als sehr wichtig, dass es eine Paralleldiskussion über Tibet gibt, die sich nicht nur mit der Stimme des Dalai Lama befasst.

    Interview geführt von Till Brockmann am 8. Juni 2005


    AM – Bio Gendun Choephel

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    Angry Monk

     

    Kindheit in Osttibet (1903-1927)
    Gendun Choephel wird 1903 in einem kleinen Dorf in Osttibet geboren, nahe der chinesischen Grenze. Das abgelegene Nomadengebiet liegt an der Seidenstrasse, bewohnt von Muslimen, Chinesen und Tibetern, die in ständigem militärischen Konflikt stehen. Die Dörfer werden oft von rivalisierenden Kriegsfürsten überfallen und geplündert. In dieser explosiven Mischkultur setzt sich Gendun Choephel schon früh mit seiner tibetischen Identität auseinander. Er geniesst eine traditionelle Ausbildung als Mönch im wichtigsten Kloster der Region. Seine Freundschaft mit einem amerikanischen Missionar wird ihm von seinen Mitmönchen und der eigenen Familie übel genommen. 1927 verlässt er das heimatliche Kloster und zieht mit einer Handelskarawane nach Lhasa.

    Klosterausbildung in Lhasa (1927-34)
    Hier studiert Gendun Choephel in Drepung, dem grössten Kloster der Welt. Seine rebellischen Versuche, die klösterlichen Regeln zu unterlaufen, stossen auf den Unmut seiner Mitmönche. Schliesslich wird ihm das Klosterleben auch hier zu eng und er tritt aus dem Kloster aus. In Lhasa hält er sich als Portraitmaler und Künstler für reiche Adlige über Wasser und macht 1934 die folgenreiche Bekanntschaft des Inders Rahul Sankrityayan: ein Buddhismus-Forscher und kommunistischer Aktivist des indischen Unabhängigkeitskampfes gegen die britischen Kolonialisten.

    Reise durch Tibet (1934-1938)
    Gemeinsam reisen sie durch Tibet, auf der Suche nach alten Texten, die in Indien vor Jahrhunderten zerstört wurden, in Tibet aber in den abgelegenen Klöstern überlebt haben. Rahul sieht seine historische Forschung als Teil seines politischen Kampfes — die Erforschung der Geschichte als Schlüssel zur Gegenwart. Gendun Choephel ist nicht nur Rahuls Übersetzer, sondern auch Vermittler der tibetischen Kultur. Und umgekehrt erregen die faszinierenden Geschichten von Indien seine Neugier.

    Reise durch Indien (1938-1946)
    In Indien wird Gendun Choephel mit einer ihm fremden Welt konfrontiert. Er sieht die Eisenbahn und andere technische Errungenschaften zum ersten Mal. Das Land ist im Umbruch und im Gegensatz zu Tibet haben die Inder ihr Schicksal in die eigene Hand genommen. Der Kampf für die Unabhängigkeit steht auf dem Höhepunkt. Gendun Choephels Sicht auf die eigene Kultur beginnt sich zu verändern — Indien wird seine kreativste Zeit. Er reist als buddhistischer Pilger durchs Land, lebt in der Millionenstadt Kalkutta, sieht das Meer, besucht Bordelle und Bibliotheken, schreibt erste Zeitungsartikel und übersetzt das Kamasutra ins Tibetische, angereichert mit eigenen Erfahrungen. Viele seiner Schriften, Notizen und Skizzen schickt er zurück in die Heimat und vermittelt darin seine Eindrücke der grossen Welt.

    Rückkehr nach Tibet (1946-51)
    1946 reist Gendun Choephel zurück nach Tibet, Zwischenstation ist die indisch-tibetische Grenzstadt Kalimpong: neben britischen und chinesischen Agenten treffen sich hier auch radikale Tibeter, die bei der Regierung in Lhasa in Ungnade gefallen sind. Sie gründen 1939 die «Tibetische Revolutionspartei». Choephel macht ihre Bekanntschaft und entwirft das Parteisymbol: eine Sichel gekreuzt von einem Schwert. Ziel der Partei ist der Sturz des tyrannischen Regimes in Lhasa. Bei Gendun Choephels Ankunft in Lhasa ist die tibetische Regierung über seine politischen Aktivitäten bereits informiert. Er beginnt an einer politischen Geschichte Tibets zu schreiben, doch seine plötzliche Verhaftung verunmöglicht das Unterfangen. Er wird des Aufstandes bezichtigt und für drei Jahre in den Kerker geworfen. 1949 kommt er frei. Sein Herz ist gebrochen und die Verzweiflung ersäuft er im Alkohol. Wenig später überrollt die chinesische Armee die tibetischen Truppen in Osttibet und 1951 — kurz nach dem Einmarsch der Chinesen in Lhasa, stirbt Gendun Choephel: «Jetzt haben wir den Dreck», soll er die politischen Ereignisse kommentiert haben.


    AM – Gedichte Gendun Choephel

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    Angry Monk

     

    Über den britischen Kolonialismus, Kalkutta 1941
    «Die Kolonialisten haben Armeen von Banditen ausgesandt – die sie Händler nannten. Sie haben in Indien neue Lebensformen eingeführt — doch ihre Gesetze sind nur gut für die Reichen. Den Armen — so wenig sie auch haben — wird das Blut noch aus den Adern gesogen. Auf diese Weise wurden die sogenannten Wunder dieser Welt erbaut. Ich bin ein aufmerksamer Bettler, der sein Leben damit verbracht hat zuzuhören – ich weiss von was ich spreche.»

    Gedicht, Tibet 1946
    «In Tibet – ist alles Alte
    ein Werk Buddhas.
    Alles Neue hingegen
    ein Werk des Teufels.

    Das ist die traurige Tradition meines Landes.»

    Zeitungsartikel, Tibet Mirror, Kalimpong, 1938
    «Früher glaubte man auch in Europa, die Welt sei flach. Wer das Gegenteil behauptete, konnte bei lebendigem Leibe verbrannt werden. Heute zweifelt selbst in buddhistischen Ländern niemand mehr daran, dass die Welt eine Kugel ist. Nur in Tibet beharren wir stur darauf, die Welt sie sei flach.»

    Vorwort der Kamasutra Übersetzung, Kalkutta 1939
    «Was mich betrifft — ich kenne keine Scham und ich liebe die Frauen. Mann und Frau — sie beide sehnen sich nach körperlicher Vereinigung. Keine Religion und kein Gesetz der Moral könnte das verhindern. Unterdrückt man die natürlichen Leidenschaften des Menschen wachsen pervertierte im Verborgenen.»


    AM – Download

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    Angry Monk

     

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    novices

    Novizen, Yama Tashi Kyil

     

     

     

     

    monk radio

    Mönch, Yama Tashi Kyil

     

     

     

     

    on the road

    Unterwegs, Tibet

     

     

     

     

    monk close

    Mönch, Yama Tashi Kyil

     

     

     

     

    hindu soap

    Hindu Pilger, Varanasi, Indien

     

     

     

     

    cameraman1

    Filip Zumbrunn, Kameramann

     

     

     

     

     

    director1

    Luc Schaedler, Regisseur


    Publikationen

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    Universität


    Artikel von Luc Schaedler

    Nachfolgend finden Sie meine Masterarbeit (Lizentiat), meine Ph.D. Thesis, sowie eine kurze Auswahl von Artikeln über Dokumentarfilmtheorie, Buddhismus & Film und Tibet.

    ↓ The little differences: cross-cultural exchange in filmschools (2011)

    ↓ Über die Wissenschaftlichkeit von Dokumentarfilmen (2009)

    ↓ Doktorat: ANGRY MONK: Literary, Historical, and Oral Sources for a Documentary Film (2007)

    ↓ Lizentiat: Arbeitsbericht zur Entstehung von MADE IN HONG KONG (1998)

    ↓ Westliche Okkupation und östliche Selbstreflexion: Buddhismus im Spielfilm (2002)

    ↓ Tibet: Ein Projektionsfeld Westlicher Phantasien (1994)


    ANGRY MONK
    im wissenschaftlichen Diskurs

    Eine kritische Diskussion des Dokumentarfilmes ANGRY MONK als Hybrid zwischen Kunst und Wissenschaft.

    ↓ American Anthropologist (2010) – Angry Monk: Reflections on Tibet

    ↓ History & Anthropology (2008) – A critical review of «Angry Monk»

    ↓ Visual Anthropology (2008) – A critical review of «Angry Monk»

    IIAS Newsletter (2008) – Rebel with a cause: debunking the mythical & mystical Tibet

    ↓ AEMS Review (2008) – A critical review of «Angry Monk»

    ↓ Himal Southasian (2006) – The new reasoning of Gendun Choephel

    ↓ Revue de l’Inde (2006) – Réflexions sur le Tibet