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A LONG WAY HOME (2018)

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Dokumentarfilm

Luc Schaedler | go between films
CH 2018 | 73 | DE, EN, FR, Chin

Im Zentrum des Dokumentarfilmes «A Long Way Home» stehen fünf der bedeutendsten Vertreter der aktuellen chinesischen Gegenkultur: Die bildenden Künstler Gao Brothers, die Choreografin und Tänzerin Wen Hui, der Animationsfilmer Pi San und der Dichter Ye Fu.

Aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchten sie mutig und mit subversivem Witz die gesellschaftlichen Probleme ihres Landes. Allen gemeinsam ist dabei die Auseinandersetzung mit ihrer von Gewalt und Unterdrückung geprägten Vergangenheit. Ihre Vision ist eine demokratische, solidarische und menschliche Zivilgesellschaft.

A Long Way Home schickt uns auf eine faszinierende Reise, sowohl in die düstere jüngere chinesische Historie, als auch in die schillernde aktuelle Kulturszene des Landes. Dabei stellt der Film universelle Fragen, die letztlich uns alle betreffen: welche Werte bestimmen unsere kulturelle Identität und in was für einer Welt wollen wir leben? A Long Way Home ist ein unterhaltsames und bewegendes Plädoyer für menschliche Solidarität.

«Der Beginn meiner Auseinandersetzung mit China liegt mittlerweile über 25 Jahre zurück. Seit der brutalen Niederschlagung der Demokratiebewegung von 1989 bin ich wiederholt durch China gereist. Ich habe die ökonomische Entwicklung und den damit verbundenen politischen und gesellschaftlichen Umbruch Chinas ebenso erstaunt wie irritiert mitverfolgt: Was lösen äussere Ereignisse, Brüche und Veränderungen im Leben von Menschen aus, und was bedeutet dies für sie in ihrem Alltag?»
Luc Schaedler

INTERVIEW mit Luc Schaedler (04:30)
→ ALWH: Statement Regie
→ ALWH: Die Protagonisten
→ ALWH: Hintergrund
→ ALWH: Downloads
(Fotos & Presskit)

STREAMING | DOWNLOAD ↓

ALWH Poster def

A LONG WAY HOME (2018)
DE, EN, FR

 

→ hier klicken  


→ FESTIVALS

– Solothurner Filmtage (Schweiz)
Nomination Prix de Soleure
Nomination für Swiss Film Award
– Montréal, Festival des films du monde (Kanada)
– Dharamshala Intl. Filmfestival (Indien)
– Cracking the Frame (Holland)
– Internationales Filmfestival Innsbruck (Österreich)
– Fünf Seen Filmfestival, Starnberg (Deutschland)
– EPOS Intl. Art Filmfestival (2020), Tel Aviv (Israel)


LINKS

→ Filmkritik – cinebulletin
→ Filmkritik – Journal21
→ Nomination Schweizer Filmpreis
→ Swiss Films Promotionsagentur


PLAYLIST (10 Clips):

Gao Brothers, Wen Hui, Pi San, Ye Fu, originaler Kuang Kuang Clip etc.

Poster of A Long Way Home


ANGRY MONK (2005)

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Dokumentarfilm

Luc Schaedler | go between films
CH 2005 | 97  | DE, EN, FR, Tib

«Angry Monk»: Tibet, geheimnisvolles Dach der Welt, Sitz erleuchteter Mönche — nur einer legt sich quer: Gendun Choephel heisst der streitbare Mönch, der sich 1934 vom klösterlichen Leben abwendet und in die Moderne aufbricht. Er ist ein Rebell, der die Gemüter der tibetischen Obrigkeit erhitzt. Ein reinkarnierter Lama, der auch die Frauen und den Alkohol liebt. Ein Freigeist, der seiner Zeit weit voraus ist und heute zu einem Hoffnungsträger für ein freies Tibet geworden ist.

Die cineastische Zeitreise nimmt die Lebensgeschichte dieses unorthodoxen Mönchs zum Anlass, um ein Bild von Tibet aufzudecken, das gängigen Klischees zuwiderläuft. Zahlreiche verblüffende und seltene historische Aufnahmen werden hier erstmals einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Elegant und überraschend verwebt der Film Damals und Heute: Archivbilder von prächtigen Karawanen und Klöstern wechseln sich ab mit Szenen von Discos und Bildern von mehrspurigen Schnellstrassen in Lhasa, wo Pilger sich niederwerfen, um ihr Heiligtum zu umrunden. «Angry Monk» gibt einen aktuellen und faszinierenden Einblick in ein Land, dessen schicksalhafte Vergangenheit sich im heutigen Alltag — vielfältig und widersprüchlich — spiegelt.

Der Dokumentarfilm «Angry Monk» erzählt von einem, der auf ausgedehnten Reisen nach etwas sucht, was das alte Tibet aus seiner Erstarrung lösen könnte. Der Querdenker Gendun Choephel bleibt stets offen für das Neue. Er ist fremd in der Heimat und heimatlos in der Fremde — ein Wanderer zwischen den Welten.

(Der Dokumentarfilm «Angry Monk» war zugleich Hauptteil meines Ph.D. in Visueller Anthropologie an der Universität Zürich)

→ Ph.D.: ANGRY MONK: Literary, Historical, and Oral Sources for a Documentary Film (2007) (nur Englisch)

→ Gendun Choephel Konferenz in der Latse Library, New York (nur Englisch)

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→ AM: Statement Regisseur
→ AM: Interview Regisseur
→ AM: Bio von Gendun Choephel
→ AM: Texte von Gendun Choephel
→ AM: Downloads
(Fotos & Presskit)

STREAMING | DOWNLOAD ↓

Angry Monk (2005) link to Vimeo On Demand
ANGRY MONK (2005)
DE, EN, FR

→ hier klicken  


Playlist (9 Clips):

Unveröffentlichte Szenen aus Angry Monk


→ FESTIVALS (Auswahl)

– Sundance, Nomination Grand Jury Award
– Busan (Wettbewerb)
– Vancouver (Wettbewerb)
– Montréal, Festival Nouveau Cinema (Wettbewerb)
– München DOK.fest (Wettbewerb)
– Melbourne (Wettbewerb)
– Auckland (Wettbewerb)
– Solothurner Filmtage Offizielle Auswahl


LINKS:

→ Filmkritik – Neue Zürcher Zeitung (NZZ)
→ Filmkritik – Filmbulletin
→ Swiss Films Promotionsagentur


Poster of Angry Monk (2005) link to Vimeo On Demand


Traces of Hope (2020)

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In Entwicklung…

Luc Schaedler
go between films
Projektbeginn: Herbst 2020

Spuren der Hoffnung (2020)

«Spuren der Hoffnung» – wagt als Filmessay einen neugierigen Blick in die Zukunft, indem er subtilen „Spuren der Hoffnung“ folgt, die für ihre Vorwegnahme und Umsetzung in der Gegenwart gedacht sind und nicht für ein fernes Ziel.

Der Film geht der Frage nach, wo in unserem Alltag bereits hoffnungsvolle Alternativen aufblitzen. Wie helfen sie uns aus dem misslichen Zustand der Welt auszubrechen? Und welche Rolle spielen dabei Subversion und Widerstand? In Gesprächen mit ProtagonistInnen, Beobachtungen und filmischen Tableaus stellt «Traces of Hope dem «Zustand der Welt» subversive Strategien gegenüber.

Der Dokumentarfilm diskutiert wie wir aus dem vermeintlichen Gefängnis der Überforderung und Ratlosigkeit ausbrechen können. «Traces of Hope» lotet dabei die einmalige Fähigkeit des Menschen aus über die bedrängte Gegenwart hinauszudenken. Der Film stellt sich der Frage, wie wir Ideen und Visionen entwickeln können für ein zukunftsträchtiges Handeln in der Gegenwart. Das Thema der «Hoffnung» und die damit verbundene Aufforderung zu kreativem Handeln, zieht sich als leise Melodie aber doch gut wahrnehmbar durch den ganzen Film.

«Ich bin. Aber ich habe mich nicht. Darum werden wir erst.» Ernst Bloch

Ernst Bloch Slogan Traces of Hope

«Häuserbesetzung in Zurich» (1986) mit einem Zitat des Philosophen Ernst Bloch

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«I habe einen Traum…» Martin Luther King


Luc Schaedler

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Filmemacher &
Produzent

Eine Kurzbiografie und ein Link zu einem Interview über meine Filme und Filmproduktionen

Luc Schaedler | *1963 in Zürich, Schweiz
– Unabhängiger Schweizer Filmemacher und Produzent
– Gründer der Filmproduktionsfirma «go between films»
– Regisseur und Produzent von «A Long Way Home» (2018); «Watermarks» (2013); «Angry Monk» (2005) und «Made in Hong Kong» (1997)
– Einladungen zu internationalen Filmfestivals (Auswahl): Sundance; Busan; Leipzig; Montreal; Locarno; München; Tel Aviv

– 1985-2002 Mitarbeit als Programmkoordinator, Filmvorführer und Barkeeper im Off-Kino Xenix in Zürich
– 1988-92 Reisen und Arbeit in Asien | Barkeeper in Hongkong und Tokio
– 1994-97 Studium der Visuellen Anthropologie an der Universität Zürich
– Abschluss mit zwei Dokumentarfilmen: «Made in Hong Kong» (Magisterarbeit, 1998) und «Angry Monk» (Doktorarbeit, 2005)
– 1998-2001 Mitarbeit beim Aufbau des Kinder Filmclubs «Zauberlaterne» in Zürich
– Seit 2001 verschiedene Lehraufträge in Visueller Anthropologie und Dokumentarfilm an den Universitäten Zürich, Bern und Freiburg
– Von 2006-08 Leiter der Abteilung Visuelle Anthropologie am Völkerkundemuseum der Universität Zürich

→ INTERVIEW mit Luc Schaedler über seine Filme (04:30)

→ FILMOGRAPHIE von Luc Schaedler

→ Luc Schaedlers Gedanken zu Tibetfilmen

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→ go between films – Kontakt

→ KONTAKT Luc Schaedler – Email

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Vimeo Logo       Link to YouTube Channel

 

Luc Schaedler Filmemacher und Produzent von go between films, schweiz

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Adresse

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go between films
Adresse

 

go between films gmbh
luc schaedler
Tellstrasse 3
8004 Zürich
Schweiz

EMAIL (→ Luc Schaedler)

Strassenkarte (→ Büro)

Vom Universum zur Tellstrasse 3, Zürich

 

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Portrait von Luc Schaedler, go between films, schweiz

Luc Schaedler – Nomination Schweizer Filmpreis (2018)


Smartphone Anthropology

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Ethno-Seminar

Unten finden sich kurze Angaben darüber, was wir im Seminar «Smartphone Anthropology» an Ausrüstung brauchen werden, damit wir auch „professionell“ mit dem Smartphone filmen können. Dazu wird eine kleine Investition nötig sein (ca. CHF 100).

 

1 FILMIC Pro App
für iPhone & Android

Um «professionell» mit einem Smartphone filmen zu können, reicht die vorinstallierte Photo- und Video App nicht. Es braucht dazu eine spezielle Video App, an der man flexibel unterschiedliche Einstellungen vornehmen kann. Dies betrifft sowohl das Bild (Format, Qualität, Stabilisierung, Farben, Schärfe, Blende), als auch den Ton (Qualität, Codec).

Im App Store oder auf Google Play:

→ FILMIC Pro (CHF 14)

FILMIC Pro bietet alles, was zum Filmen nötig ist. Das User Manual von FILMIC Pro kann als pdf Dokument runtergeladen werden.

Screenshot des «Einstellungsmenus»
Filmic Pro Screenshot scaled

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2 Filming Kit

Für die geeignete Handhabung des Smartphones beim Filmen und die bestmögliche Qualität des Tons, braucht es ein Filming Kit. Dieses besteht aus einem Mini-Stativ (das man in der Hand halten kann und damit die «Kamera» führt), einem Smartphone-Halter (zur Befestigung des Smartphones auf dem Stativ, sowie als Halter des Mikrophones) und ein externes Mikrophon (zur besseren Qualität des Tons und zur Unterdrückung der Handgeräusche am Smartphone).

Filming Kit für Smartphones (iPhone, Android)
Filming Kit all 1 rotated e1592653870306

 

Mikrofon mit Windschutz, Tonkabel (schwarz) und Adapter für iPhone (weiss)
Filming Kit Microphone rotated e1589569308384

 

Smartphone Mini-Stative & Halterung mit Mikrofon
Filming Kit all 2

 

Smartphone Halterung (mit Hülle)
Filming Kit Smartphoneholder rotated e1589569324233

 

Mini-Stativ mit Halterung (iPhone Hülle als Beispiel)
Filming Kit Tripod Smartphoneholder rotated e1592654650926

 

Ausrüstung kaufen:

→ 1  Filming Kit – alles (CHF 85)
→ 2  Filming Kit – alles (CHF 60)
→ 3  Filming Kit – alles (CHF 36)

→ 4 Stativ & Halterung (CHF 42)
→ 4 Mikrofon (CHF 54)


ALWH – Stellungnahme Regie

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→ In der Sektion «materials» sind Dokumente gespeichert, die zusätzliche Informationen zu den Filmen von «go between films» zur Verfügung stellen ←

A Long Way Home

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ALWH – Stellungnahme Regie: Der Beginn meiner Auseinandersetzung mit China liegt mittlerweile über 25 Jahre zurück. Seit der brutalen Niederschlagung der Demokratiebewegung von 1989 bin ich wiederholt durch China gereist. Ich habe die ökonomische Entwicklung und den damit verbundenen politischen und gesellschaftlichen Umbruch Chinas ebenso erstaunt wie irritiert mitverfolgt.

Je tiefer ich in das Land eintauchte, umso mehr habe ich auch über die düstere Geschichte und ihre Auswirkungen bis heute erfahren. Dabei bin ich immer wieder auf ein Thema gestossen, das mich schon lange beschäftigt: Die Frage, was äussere Ereignisse, Brüche und Veränderungen im Leben von Menschen auslösen, und was dies für sie in ihrem Alltag bedeutet.

China war für mich immer auch eine Inspiration über meine eigene Welt nachzudenken. Der sorgfältige Blick auf eine andere Gesellschaft, lässt die eigene in einem neuen Licht erscheinen. Ganz im Sinne des französischen Ethnologen und Philosophen Claude Lévi-Strauss, der in der Begegnung aber auch der Konfrontation mit dem Fremden die Möglichkeit oder stärker noch, die Verantwortung sieht, sich mit der eigenen Gesellschaft zu befassen und diese zu hinterfragen.

Aus meiner Perspektive als Schweizer Filmemacher frage ich mich, woher die ProtagonistInnen ihren Mut nehmen, sich zu exponieren? Wie würde ich mich in ihrer Situation verhalten? Wie sind wir selber geprägt von der Vergangenheit? Und schliesslich: wie kommt es, dass mir viele der existentiellen Probleme, mit denen sie konfrontiert sind – bei aller kulturellen Distanz – überraschend vertraut vorkommen?

Luc Schaedler beijing a long way home


ALWH – Protagonisten

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A Long Way Home

 

In A Long Way Home ist das verbindende Element und gleichzeitig das Hauptthema des künstlerischen Schaffens von Wen Hui, Pi San, Ye Fu und den Gao Brothers, die Rekonstruktion einer Menschlichkeit, die sie für die ganze chinesische Gesellschaft einfordern. In ihrem Unbehagen der heutigen chinesischen Gesellschaft gegenüber kommt der Aufarbeitung ihrer persönlichen Familiengeschichte und damit auch der jüngeren Geschichte Chinas ein bedeutender Stellenwert zu. Sich aktiv zu erinnern, ist für sie ein wichtiger Teil ihrer Arbeit, die zu ergründen versucht, woher die Probleme in der Gegenwart stammen. Wie Forscher loten sie in ihrer Arbeit die Möglichkeiten einer kollektiven Heilung aus.

WEN HUI – Choreographin | Tänzerin
In China gilt Wen Hui als die Mutter des modernen Tanzes. Seit Jahren beschäftigt sie sich mit dem Thema der Erinnerung. In ihrem aktuellen Stück «Red» verarbeitet sie, ausgehend vom gleichnamigen propagandistischen Ballett aus der Kulturrevolution (1966-76), die körperlichen Prägungen dieser traumatischen Zeit.
A Long Way Home filmstill interview Wen Hui

 

PI SAN – Animationskünstler
Pi San ist in China einem Millionenpublikum bekannt durch seine subversive Trickfilmserie, die im Internet für Furore sorgt. Mit seiner spitzbübischen Cartoonfigur «Kuang Kuang» deckt er Ungerechtigkeiten und Absurditäten des chinesischen Alltages auf. Dabei muss er immer ausloten, wie weit er mit seiner Kritik gehen kann.
A Long Way Home filmstill Pi San Kuang Kuang

 

YE FU – Schriftsteller | Poet
Der ehemalige Polizist Ye Fu, der 1989 aus Protest gegen die Niederschlagung der Demokratiebewegung den Dienst quittierte, hat sich in den letzten Jahren mit seinen autobiographisch geprägten Essays und Blogs, die lautstark nach politischer Veränderung rufen, einen Namen gemacht.
A Long Way Home Filmstill Ye Fu 2

 

GAO BROTHERS – Bildende Künstler | Maler
Gao Zhen und Gao Qiang, international bekannt als Gao Brothers, sind seit der Geburtsstunde der modernen chinesischen Kunstszene im Jahr 1985 dabei. Sie gehören zur Gruppe der kritischen Avant-Garde Künstlern, deren Arbeiten von der Komplexität der jüngeren chinesischen Geschichte und der «condition humaine» in einer globalisierten Welt erzählen.
A Long Way Home filmstill Gao cooks


ALWH – Hintergrund

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A Long Way Home

 

Der Kampf des Menschen gegen die Macht, ist der Kampf der Erinnerung gegen das Vergessen.
Milan Kundera

Den historischen Hintergrund für A LONG WAY HOME bilden zwei prägende Phasen der jüngeren chinesischen Geschichte: die Demokratiebewegung von 1989 und die Kulturrevolution von 1966 – 1976. Ausgehend vom heutigen China bewegt sich A LONG WAY HOME im tiefer ins «Herz der Dunkelheit» der chinesischen Geschichte. Im Zentrum steht dabei die Frage wie Menschen mit historischen und biographischen Brüchen umgehen und wie sie ihre traumatischen Erfahrungen verarbeiten.

Mit systematischer Gewalt wurde während der Kulturrevolution (1966-76) alles Private eliminiert und die sozialen Beziehungen zerstört. Mao Tsetung und die Partei setzten im Alltag auf Verrat, öffentliche Demütigung, Selbstbezichtigung und Umerziehung. Das Misstrauen und die tiefe Verunsicherung prägen bis heute die Beziehungen unter den Menschen.

cultural revolution - struggle meeting

Top Party officials are denounced during an afternoon-long rally in Red Guard Square. Harbin, 29 August 1966

Als Gegenentwurf zur Kulturrevolution steht im Film die Demokratiebewegung von 1989. Was als Studentenprotest in Beijing begann, wuchs bald zu einer breiten Bewegung, der sich Menschen aus unterschiedlichen Bevölkerungsschichten anschlossen. Es war die erste spontane Massenbewegung ausserhalb der Parteistrukturen und zeigte erste Ansätze einer möglichen Zivilgesellschaft, die erst nach Mao’s Tod aufkeimen konnte.

Die gewaltsame Niederschlagung durch die Volksarmee war das deutliche Zeichen des Regimes, dass der Protest nicht erwünscht ist und die öffentliche Kritik an der Partei nicht geduldet wird – ein Zustand, der bis heute anhält.


WaMa – Stellungnahme Regie

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Watermarks

 

WaMa – Stellungnahme Regie: „Seit der Niederschlagung der Demokratiebewegung im Jahr 1989 verfolge ich den Umbruch Chinas ebenso erstaunt wie irritiert: das Land gleicht einer Grossbaustelle und scheint sich auf der überstürzten Suche nach sich selbst zu befinden. In dieser vertrackten Gegenwart unternehmen die Protagonisten zaghafte und zugleich mutige Schritte in die Zukunft.“ (Luc Schaedler)

ZUM THEMA DES FILMES Während der Recherche und den Dreharbeiten in China bin ich immer wieder auf ein Thema gestossen, das mich bereits in meinen früheren Filmen beschäftigt hatte: Die Frage, was äussere Ereignisse, Brüche und Veränderungen im Leben von Menschen auslösen, und was dies für sie in ihrem Alltag bedeutet. Daran habe ich in meinem neuen Film angeknüpft und nach weiteren Antworten gesucht. Nach MADE IN HONG KONG (1997) und ANGRY MONK (2005) ist der aktuelle Film WATERMARKS (2013) auch der Abschluss meiner Asien-Trilogie.

MEINE BEZIEHUNG ZU CHINA Der Beginn meiner Auseinandersetzung mit China liegt über zwanzig Jahre zurück. Seit der Niederschlagung der Demokratiebewegung von 1989 bin ich wiederholt durch China gereist. Ich habe die ökonomische Entwicklung und den damit verbundenen politischen und gesellschaftlichen Umbruch Chinas ebenso erstaunt wie irritiert mitverfolgt.

Die sozialen Veränderungen, ausgelöst durch die rasante ökonomische Entwicklung, verunsichert die Menschen. Beunruhigt registrieren sie auch die zunehmende Verschmutzung der Umwelt und des Wassers. Ganze Landschaften, und damit ein Teil der eigenen Familiengeschichte und der Kulturgeschichte Chinas, werden durch den Fortschritt förmlich „überschwemmt“. Meine Hassliebe zu China spiegelt sich in der Ambivalenz vieler Chinesen, die gleichzeitig mit Stolz und Unbehagen auf die Entwicklung ihres Land blicken. Diese widersprüchlichen Gefühle habe ich versucht filmisch einfangen.

DIE ZUSAMMENARBEIT MIT MARKUS SCHIESSER Im Projekt hat Markus Schiesser neben den Gesprächen mit den Protagonisten auch den Ton gemacht. Für die Recherche (2009/2010) und die Dreharbeiten (2011) sind wir während Monaten gemeinsam durch China gereist und haben mit den Protagonisten den Alltag geteilt. Markus Schiesser und ich waren ein gutes Team. Seine Beziehung zu den Leuten lief über seine Ruhe und darüber, dass er fliessend Chinesisch spricht. Dies brachte ihm grossen Respekt ein. Er war gleichzeit Insider und Outsider.

Ich war ganz der Fremde, auch extrovertierter und lauter. Meine Beziehung zu den Menschen musste ich über das Nonverbale aufbauen, durch Gesten und Blicke. In einer Kultur und einer politischen Situation, die dem Wort mit Vorsicht begegnet und viel auf eine tiefere Ebene des Vertrauens setzt, ergänzten wir uns ideal. Markus Schiesser hat in Zurich und China Sinologie und Ethnologie studiert. Seit über 12 Jahren lebt und arbeitet er nun in Beijing und Shanghai. Er ist mit einer Chinesin verheiratet. Wir sind seit den Zürcher Jugendunruhen der frühen 80er-Jahre befreundet.

UNSERE ARBEITSMETHODE Wasser ist das visuell verbindende Element im Film. Wie ein Fluss zieht es sich durch die einzelnen Schauplätze, Geschichten und Gespräche. In China macht es Sinn, sich wie Wasser zu verhalten. Dort wo es fliesst, lässt man es laufen und dort, wo es sich staut, weicht man aus und sucht sich neue Wege. Dazu ist der Faktor Zeit und Geduld ein ganz wichtiger Aspekt.

Was für jede Drehsituation mit Menschen selbstverständlich erscheint, ist in China doppelt wichtig, aus kulturellen und politischen Gründen: Wenn man in China nahe an die Leute herankommen will, muss man sich sehr viel Zeit nehmen. Es ist ein kompliziertes aber nicht unangenehmes Ritual, in dessen Verlauf man Schritt für Schritt während Wochen Vertrauen aufbaut: Ein erstes Gespräch, ein zweites, Tee trinken, rauchen, plaudern, gemeinsam Essen, langsam zum Thema kommen und immer wieder mit Schnaps anstossen. Der erste Kontakt, und wie man sich dabei verhält, ist zentral.

→ Facebook.com/watermarksthefilm
→ Youtube.com/gobetweenfilms

Luc Camera

Luc Schaedler, Wusutu

Markus Sound

Markus Schiesser, Chongqing


WaMa – Drehorte

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Watermarks

 

Minqin (Gansu Provinz) und Wusutu (Innere Mongolei) liegen beide im Kohle- und Industriegürtel der sich im Norden Chinas über etwa 1000 Kilometer von West nach Ost ausdehnt. Neben dem Raubbau an der Landschaft leidet dieses Gebiet an grosser Umweltverschmutzung und Wasserknappheit.

Jiuxiancun (Guangxi Provinz) ist ein kleines Reisbauerndorf, das auf die Zeit der Qing Dynastie (1616-1912) zurückdatiert. Es liegt im regenreichen Süden von China unweit des Touristenmagnets von Yangshuo. Die Region ist berühmt für ihre ikonographische Landschaft aus der unzählige Karsthügel zwischen den Reisfeldern hochragen. In keiner Provinz hat die Kulturrevolution (1966-76) so verheerend gewütet wie in Guangxi.

Chongqing (eigenständige Verwaltungseinheit) ist eine boomende Megacity am Jangtsekiang, dem grössten Fluss Chinas. Mit über 30 Millionen Einwohnern gilt sie zur Zeit als bevölkerungsreichste Stadt der Welt. Der Aufschwung der Stadt hat in den letzten Jahren an Intensität zugenommen und sie befindet sich im ständigen Umbruch.

→ Facebook.com/watermarksthefilm
→ Youtube.com/gobetweenfilms

China Map all


WaMa – Download

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Watermarks

 

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Wastewater Chongqing

Abwasser, Chongqing

Wei Jihua Minqin

Wei Jihua, Minqin

Flood Jiuxiancun

Flut, Jiuxiancun

Chen Chaomei Chongqing

Chen Chaomei, Chongqing

Frontiertown Wusutu

Grenzstadt, Wusutu

Li Yuming Jiuxiancun

Li Yuming, Jiuxiancun

Wu Dengming Chongqing

Wu Dengming, Chongqing

Li Yunchuang Jiuxiancun

Li Yunchuang, Jiuxiancun

Ricegrowing Jiuxiancun

Reisanbau, Jiuxiancun

Fishrestaurant Chongqing

Fischrestaurant, Chongqing

Wei Guancai Minqin

Wei Guancai, Minqin

Fishing Jiuxiancun

Fischen, Jiuxiancun

Fishingboat Chongqing

Fischerboot auf dem Yangtse, Chongqing


AM – Stellungnahme Regie

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Angry Monk

Die Idee zum Film ANGRY MONK – REFLECTIONS ON TIBET geht auf mehrere Reisen nach China, Tibet und Indien zwischen 1988 und 1999 zurück. Ohne es zu wissen, bewegte ich mich damals an denselben Orten wie der Protagonist des Films — über 50 Jahre vor mir. Seit 1988 beschäftige ich mich nun intensiv mit Tibet und vor allem damit, wie Tibet im Westen wahrgenommen wird.

Gendun Choephel (1903-51) ist ein Wanderer zwischen den Welten – gleichzeitig Träumer, Rebell und Forscher. Er lebt in einer historischen Periode, die bestimmend für die Zukunft seines Landes ist — eingeklammert durch die Invasion der britischen Kolonialisten 1903 und den Einmarsch der Chinesen 1951. Tibet ist damals nicht das unzugängliche Shangri-La, wie oft behauptet wird, sondern ein zerrissenes Land an der Schwelle des Wandels. Die Versuche die veralteten Sozialstrukturen aufzubrechen und einen eigenen Weg ins 20. Jahrhundert zu finden, scheitern am Widerstand des konservativen Adels und der Klöster.

Während sich Tibet abschottet, bleibt Gendun Choephel offen für neue Erfahrungen. Über seine Schriften, Artikel, Bilder und Skizzen hat er Spuren bis heute hinterlassen. Durch die kritische Beobachtung der eigenen Gesellschaft, die Hinwendung zu politischen Themen und dem Versuch, sie im Alltag umzusetzen, verkörpert er die Anfänge eines kritischen intellektuellen Denkens innerhalb der tibetischen Gesellschaft.

In den letzten Jahren wurde Gendun Choephel sowohl im chinesisch besetzten Tibet wie auch im indischen Exil zu einer Identifikationsfigur junger Tibeter. Während die Eltern Tibet verloren haben, sucht die jüngere Generation nach Identifikationsfiguren, die einen kritischen Blick auf die eigene Gesellschaft erlauben. Im Westen jedoch wird er nur langsam wahrgenommen, weil seine Lebensgeschichte offenbar nicht in unser starres Bild passt, welches die Tibeter lieber als Opfer und nicht als Agenten ihrer eigenen Geschichte sieht.

Luc Schaedler


AM – Interview Regisseur

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Angry Monk

 

Weshalb der Titel ANGRY MONK?
Ein Mönch darf eigentlich nicht «zornig» sein, so gesehen ist der Titel eine Provokation. Das war meine Absicht, denn gerade dieser Widerspruch ist ja auch ein Thema des Filmes. Unsere Wahrnehmung von Tibet entspringt mehr unseren Wunschvorstellungen, als der Realität. Auf Deutsch und Englisch schwingt aber im Titel eine Ironie mit, die in der tibetischen Übersetzung komplett verloren geht. Der Titel, musste ich feststellen, lässt sich nämlich gar nicht richtig auf tibetisch übersetzen. Die Kombination von «angry» und «monk» ist offenbar nicht vorgesehen.

Was hat Sie dazu bewegt, einen Film über Tibet zu drehen?
Ich bin sehr viel in Asien gereist und dabei oft auch nach Tibet gekommen, das erste Mal 1989, kurz nach dem Tiananmen-Massaker in Peking – zur gleichen Zeit gab es damals die Volksaufstände in Lhasa. Auch während meines Ethnologiestudiums habe ich mich dann mehrfach und eingehend mit Tibet beschäftigt. Ein Teil von mir bleibt immer auf Reisen, sucht die Auseinandersetzung mit dem Fremden und auch dem Fremdsein. Mein Film ist zweifellos auch ein Weg, um diese persönliche Auseinandersetzung weiterzuführen, ihr eine Form zu geben. Andererseits wollte ich damit auch gezielt in einen Diskurs eingreifen, an einer Diskussion teilnehmen, die seit langem im Westen über Tibet geführt wird.

Bleiben wir noch kurz bei der Reise: Auch die grobe Struktur des Films ist die einer Reise. War das von Anfang an Ihr Plan oder hat sich das erst am Schneidetisch ergeben?
Diese Idee war von Beginn weg vorhanden. Es macht auch Sinn: Denn das Leben von Gendun Choephel, meiner Hauptfigur, war eine Reise von der Provinz nach Lhasa, von dort ins Ausland und wieder zurück. Abgesehen von dieser äusseren besteht zudem die innere Reise eines Menschen, der geistig immer beweglich, immer «on the road» blieb. Und daneben, wie gesagt, die Tatsache, dass auch ich Tibet als Reisender kennengelernt habe. Eine letzte Ebene ist schliesslich die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit, die ja auch eine Art Reise ist: Mein Film bewegt sich hin und her zwischen Gegenwart und Vergangenheit, die sich wechselseitig spiegeln…

…in der Gegenwart haben die Chinesen ja einiges zu sagen. War es eigentlich schwierig die Dreherlaubnis in Tibet zu bekommen?
Mir war von vornherein klar, dass die Behörden genug Informanten haben und immer wissen würden, was läuft. Weder ganz heimlich zu drehen noch eine offizielle Bewilligung für ein grosses Projekt lagen deshalb im Bereich des Möglichen. Meine Idee war es deshalb, mit einem möglichst kleinen und unauffälligen Team zu arbeiten, nur der Kameramann Filip Zumbrunn und ich. Wir haben uns als Touristen ausgegeben und als videoverrückte Lehrer, die das Material zu Hause mit ihren Schülern anschauen und besprechen wollten. Teilweise haben wir die üblichen Aufnahmen auf dem Markt und im Kloster gemacht, wie sie alle Touristen machen (schmunzelt), doch wir haben auch Glück gehabt: Hätte man uns irgendwann richtig gefilzt, die vielen Videokassetten entdeckt, wer weiss… Andererseits, obwohl viel Chinakritisches im Film ist, war es nie mein Anliegen, einen Film gegen China zu drehen. Mich interessiert vor allem die innere Dynamik von Tibet und da ist China nur einer der Faktoren. Schliesslich bin ich auch der tibetischen Kultur gegenüber kritisch eingestellt.

Was meinen Sie damit genau?
Erstens bin ich sehr kritisch dem gegenüber, wie einseitig Tibet im Westen vereinnahmt wird: Als spiritueller Hort, als geistige Inspiration, bis hin zu Managern, die sich in buddhistischen Klöstern auf die nächsten Globalisierungsverhandlungen vorbereiten, um es etwas überspitzt zu formulieren. Ich glaube, damit schadet man dem Kampf um tibetische Unabhängigkeit, wenn das Land auf ein friedliebendes Pseudoparadies reduziert, nur als «Shangri-la» wahrgenommen wird und wenn man meint, jeder Tibeter habe eine spirituelle Message, eine Lebensweisheit für uns parat. Besonders problematisch scheint mir auch die Verklärung der Vergangenheit – nicht nur im Westen, auch bei den Tibetern selbst. Dass zum Beispiel knapp 5% der Leute das ganze Land kontrollierten, dass die Vermischung von Religion und Politik, eine teilweise unheilige Allianz zwischen Adel und Klöstern immer wieder nötige Reformen und eine Öffnung gegen aussen verhindert hat, wird gern verschwiegen. Gendun Choepel, aber auch andere, wie der Vorgänger des vierzehnten Dalai Lama, sind mit ihren Reformvorschlägen und einer gewissen Weltoffenheit immer wieder am Widerstand konservativer Kräfte gescheitert, die ihre Privilegien zu verteidigen wussten.

Wollten Sie sich mit dieser kritischen, differenzierten Haltung auch von vielen anderen Dokumentarfilmen über Tibet absetzen?
Auf jeden Fall! Es gibt unzählige Filme der ungebrochenen Bewunderung über Klöster, über den Lamaismus und auch über die Nomadengesellschaft, die als Überbleibsel einer Jahrhunderte alten, intakten Kultur gefeiert wird. Genauso wenig mag ich diese Politreportagen, die so tun, als sei Tibet eine zerstörte Kultur, komplett am Boden, und jeder Widerstand gegen die Chinesen sei endgültig gebrochen und letztlich zwecklos. Die Situation ist komplizierter und tatsächlich paradox: Einerseits wurde bereits seit dem Einmarsch 1950 und besonders während der Kulturrevolution unvorstellbar viel zerstört, ist man mit vernichtender Akribie bis in die letzten Winkel vorgedrungen. Andererseits beweisen die Tibeter jeden Tag, dass es durchaus ein Leben unter den Chinesen gibt. Sie haben ihre Kultur und Sprache bewahrt und doch mehr hinüber gerettet, als man denkt: Auch viele der Schriftstücke und Bilder von Choephel, die im Film vorkommen, wurden in Tibet bewahrt. So gesehen ist Gendun Choephel ein Teil dieses «Überlebens» geworden. Die Quintessenz ist, dass man die Tibeter nicht immer nur als Opfer sehen soll, sondern auch als Leute, die es sehr clever geschafft haben, Widerstand zu leisten und auch weiterhin Widerstandsgeist beweisen. Ich wollte auch nie einen rein biografischen Film über Gendun Choephel machen, sondern ich benutze ihn als Schlüssel, um die Geschichte und die komplexe Gegenwart Tibets aufzubrechen. Choephel war ein vielschichtiger Mensch, der für Veränderungen gekämpft hat und zugleich Zeit seines Lebens immer ein Buddhist geblieben ist, der sich nie von seiner eigenen Kultur abgewandt hat. Ausserdem habe ich bewusst nur tibetische Zeitzeugen von damals und jüngere Tibeter von heute über ihn sprechen lassen und alle westlichen Gelehrten und Tibetologen, die ich ursprünglich auch interviewt hatte, am Schluss herausgenommen…

…und der Dalai Lama kommt auch nicht zu Wort…
Oh ja, ganz bewusst. Es wäre wahrscheinlich nicht besonders schwierig gewesen, ein Interview mit ihm zu bekommen. Ich wollte aber nicht, dass seine Präsenz den Film erdrückt und die anderen Interviewpartner in den Hintergrund drängt. Egal, was er über Choephel gesagt hätte, es wäre für viele wie eine Bestätigung dafür, dass der Film gerechtfertigt ist. Das wollte ich nicht, ich wollte keinen «offiziellen Stempel». Ich erachte es als sehr wichtig, dass es eine Paralleldiskussion über Tibet gibt, die sich nicht nur mit der Stimme des Dalai Lama befasst.

Interview geführt von Till Brockmann am 8. Juni 2005


AM – Bio Gendun Choephel

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Angry Monk

 

Kindheit in Osttibet (1903-1927)
Gendun Choephel wird 1903 in einem kleinen Dorf in Osttibet geboren, nahe der chinesischen Grenze. Das abgelegene Nomadengebiet liegt an der Seidenstrasse, bewohnt von Muslimen, Chinesen und Tibetern, die in ständigem militärischen Konflikt stehen. Die Dörfer werden oft von rivalisierenden Kriegsfürsten überfallen und geplündert. In dieser explosiven Mischkultur setzt sich Gendun Choephel schon früh mit seiner tibetischen Identität auseinander. Er geniesst eine traditionelle Ausbildung als Mönch im wichtigsten Kloster der Region. Seine Freundschaft mit einem amerikanischen Missionar wird ihm von seinen Mitmönchen und der eigenen Familie übel genommen. 1927 verlässt er das heimatliche Kloster und zieht mit einer Handelskarawane nach Lhasa.

Klosterausbildung in Lhasa (1927-34)
Hier studiert Gendun Choephel in Drepung, dem grössten Kloster der Welt. Seine rebellischen Versuche, die klösterlichen Regeln zu unterlaufen, stossen auf den Unmut seiner Mitmönche. Schliesslich wird ihm das Klosterleben auch hier zu eng und er tritt aus dem Kloster aus. In Lhasa hält er sich als Portraitmaler und Künstler für reiche Adlige über Wasser und macht 1934 die folgenreiche Bekanntschaft des Inders Rahul Sankrityayan: ein Buddhismus-Forscher und kommunistischer Aktivist des indischen Unabhängigkeitskampfes gegen die britischen Kolonialisten.

Reise durch Tibet (1934-1938)
Gemeinsam reisen sie durch Tibet, auf der Suche nach alten Texten, die in Indien vor Jahrhunderten zerstört wurden, in Tibet aber in den abgelegenen Klöstern überlebt haben. Rahul sieht seine historische Forschung als Teil seines politischen Kampfes — die Erforschung der Geschichte als Schlüssel zur Gegenwart. Gendun Choephel ist nicht nur Rahuls Übersetzer, sondern auch Vermittler der tibetischen Kultur. Und umgekehrt erregen die faszinierenden Geschichten von Indien seine Neugier.

Reise durch Indien (1938-1946)
In Indien wird Gendun Choephel mit einer ihm fremden Welt konfrontiert. Er sieht die Eisenbahn und andere technische Errungenschaften zum ersten Mal. Das Land ist im Umbruch und im Gegensatz zu Tibet haben die Inder ihr Schicksal in die eigene Hand genommen. Der Kampf für die Unabhängigkeit steht auf dem Höhepunkt. Gendun Choephels Sicht auf die eigene Kultur beginnt sich zu verändern — Indien wird seine kreativste Zeit. Er reist als buddhistischer Pilger durchs Land, lebt in der Millionenstadt Kalkutta, sieht das Meer, besucht Bordelle und Bibliotheken, schreibt erste Zeitungsartikel und übersetzt das Kamasutra ins Tibetische, angereichert mit eigenen Erfahrungen. Viele seiner Schriften, Notizen und Skizzen schickt er zurück in die Heimat und vermittelt darin seine Eindrücke der grossen Welt.

Rückkehr nach Tibet (1946-51)
1946 reist Gendun Choephel zurück nach Tibet, Zwischenstation ist die indisch-tibetische Grenzstadt Kalimpong: neben britischen und chinesischen Agenten treffen sich hier auch radikale Tibeter, die bei der Regierung in Lhasa in Ungnade gefallen sind. Sie gründen 1939 die «Tibetische Revolutionspartei». Choephel macht ihre Bekanntschaft und entwirft das Parteisymbol: eine Sichel gekreuzt von einem Schwert. Ziel der Partei ist der Sturz des tyrannischen Regimes in Lhasa. Bei Gendun Choephels Ankunft in Lhasa ist die tibetische Regierung über seine politischen Aktivitäten bereits informiert. Er beginnt an einer politischen Geschichte Tibets zu schreiben, doch seine plötzliche Verhaftung verunmöglicht das Unterfangen. Er wird des Aufstandes bezichtigt und für drei Jahre in den Kerker geworfen. 1949 kommt er frei. Sein Herz ist gebrochen und die Verzweiflung ersäuft er im Alkohol. Wenig später überrollt die chinesische Armee die tibetischen Truppen in Osttibet und 1951 — kurz nach dem Einmarsch der Chinesen in Lhasa, stirbt Gendun Choephel: «Jetzt haben wir den Dreck», soll er die politischen Ereignisse kommentiert haben.


AM – Gedichte Gendun Choephel

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Angry Monk

 

Über den britischen Kolonialismus, Kalkutta 1941
«Die Kolonialisten haben Armeen von Banditen ausgesandt – die sie Händler nannten. Sie haben in Indien neue Lebensformen eingeführt — doch ihre Gesetze sind nur gut für die Reichen. Den Armen — so wenig sie auch haben — wird das Blut noch aus den Adern gesogen. Auf diese Weise wurden die sogenannten Wunder dieser Welt erbaut. Ich bin ein aufmerksamer Bettler, der sein Leben damit verbracht hat zuzuhören – ich weiss von was ich spreche.»

Gedicht, Tibet 1946
«In Tibet – ist alles Alte
ein Werk Buddhas.
Alles Neue hingegen
ein Werk des Teufels.

Das ist die traurige Tradition meines Landes.»

Zeitungsartikel, Tibet Mirror, Kalimpong, 1938
«Früher glaubte man auch in Europa, die Welt sei flach. Wer das Gegenteil behauptete, konnte bei lebendigem Leibe verbrannt werden. Heute zweifelt selbst in buddhistischen Ländern niemand mehr daran, dass die Welt eine Kugel ist. Nur in Tibet beharren wir stur darauf, die Welt sie sei flach.»

Vorwort der Kamasutra Übersetzung, Kalkutta 1939
«Was mich betrifft — ich kenne keine Scham und ich liebe die Frauen. Mann und Frau — sie beide sehnen sich nach körperlicher Vereinigung. Keine Religion und kein Gesetz der Moral könnte das verhindern. Unterdrückt man die natürlichen Leidenschaften des Menschen wachsen pervertierte im Verborgenen.»


AM – Download

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Angry Monk

 

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novices

Novizen, Yama Tashi Kyil

 

 

 

 

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Mönch, Yama Tashi Kyil

 

 

 

 

on the road

Unterwegs, Tibet

 

 

 

 

monk close

Mönch, Yama Tashi Kyil

 

 

 

 

hindu soap

Hindu Pilger, Varanasi, Indien

 

 

 

 

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Filip Zumbrunn, Kameramann

 

 

 

 

 

director1

Luc Schaedler, Regisseur


forschung@dok

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Ethnologie

Luc Schaedler von go between films versteht sich an der Schnittstelle von Film und Wissenschaft. Seit 1996 engagiert er sich in Projekten, die mit visuellen Mitteln wissenschaftliche Forschung betreiben.

Angry Monk – Reflections on Tibet (2002/07)
Die filmische Forschung zur tibetischen Geschichte und Biographie des radikalen Mönches Gendun Choephel war von Beginn weg als „Bastard“ zwischen Wissenschaft und Kunst angelegt. Der 90-minütige Film ist begleitet von einem 600-seitigen Zusatztext (2), der das gesamte Forschungsmaterial aufarbeitet und kritisch diskutiert. Erster Film, der an der Universität Zürich als Hauptteil eines Doktorates (Ph.D.) akzeptiert wurde. → Zum Film «Angry Monk»

→ ANGRY MONK im wissenschaftlichen Diskurs

Naga Identities (2009/12)
Die zwölf Stunden Rohmaterial entstanden im März 2009 als Teil eines Forschungsprojektes über die Naga im Nordosten Indiens. Weitere Produkte der Forschung waren die Ausstellung „Naga: Schmuck und Asche“, sowie die Publikation „Naga Identities: Changing Local Cultures in the Northeast of India“ mit einer Sammlung von Artikeln, die einen erhellenden Bogen von der kriegerischen Vergangenheit in die nicht minder problematische Gegenwart und die ungewisse Zukunft spannen. → Zum Projekt «Naga Identities»

Digitalisierung von Schamanen im Blinden Land (2007/08)
Historisches Material ist analog, das Kino von morgen digital: Mittels Farbkorrekturen, Angleichung der Tonspuren, sowie der Rekonstruktion der ursprünglichen Szenenabfolge, haben wir den Ethnoklassiker von Michael Oppitz aus dem Jahr 1978 vom analogen ins digitale Zeitalter geholt. Mit Thomas Bochet.

Made in Hong Kong (1996/98)
Eine visuelle Forschungsarbeit im Bereich der Urbanethnologie, Migration und Oral History. Der 75-minütige Dokumentarfilm ist begleitet von einem 105-seitigen Arbeitsbericht (3), der die Entstehung des Filmes und die Arbeitsmethoden in Form eines Handbuches offen legt. Erster Film, der
an der Universität Zürich als Hauptteil eines Lizentiates (MA) akzeptiert wurde. → Zum Film «Made in Hong Kong»

Poster of Made in Hong Kong

Plakat zu „Made in Hong Kong“, 1997


Bestattungskultur (2007)

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TV – Dok

«Bestattungskultur»
Buch, Regie: Mehdi Sahebi, Aya Domenig
Produktion: go between films, Luc Schaedler
CH 2007 | TV Dok

Bestattungskultur: Ist der Friedhof ein Auslaufmodell? Das umfriedete Rechteck mit vielen Reihen gleich grosser, exakt ausgerichteter Gräber ist immer weniger gefragt. Auch die Vorstellung, nach dem Tod in der Erde zu verwesen, ist für viele Menschen heute negativ besetzt; immer mehr bevorzugen ein anonymes Gemeinschaftsgrab oder wünschen, dass ihre Asche an einem bestimmten Ort verstreut wird. Die Stadt Zürich hat diese Tendenzen in einer wissenschaftlichen Studie untersucht und zur Veranschaulichung der Ergebnisse einen Dokumentarfilm in Auftrag gegeben. In überraschender Offenheit geben darin Junge und Alte Auskunft über ihre Einstellung zum Tod.

↓ Bestattungskultur im Wandel.pdf
Wissenschaftliche Studie: Aya Domenig


Naga Identities (2009)

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Ethno
Dokumentarfilm

«Naga Identities»
Kamera, Regie: Luc Schaedler
Produktion: go between films
CH 2009 | 60 | Ethnodokumentarfilm

Naga Identities: Das Dorf Zangkham im Gebiet der Naga im Nordosten Indiens, hat durchaus das Potential für einen langen Dokumentarfilm. Aber nicht, wie urprünglich geplant, als ethnographisches Portrait eines abgelegenen, vom Wandel weitgehend verschonten Bergdorfes mit indigener Kultur, sondern im Gegenteil: Zangkham ist ein tragisches Beispiel des Verlorenseins zwischen einer Tradition, die nicht mehr ist, einer verwirrenden und traurigen Gegenwart und einer Zukunft, die ungreifbar bleibt und wenig Anlass zu Hoffnung gibt. Der Film Naga Identities wird versuchen dieses Dilemma nachvollziehbar zu machen. Work in Progress.

«Die zwölf Stunden Rohmaterial entstanden im März 2009 als Teil eines Forschungsprojektes über die Naga im Nordosten Indiens. Weitere Produkte der Forschung waren die Ausstellung „Naga: Schmuck und Asche“, sowie die Publikation „Naga Identities: Changing Local Cultures in the Northeast of India“ mit einer Sammlung von Artikeln, die einen erhellenden Bogen von der kriegerischen Vergangenheit in die nicht minder problematische Gegenwart und die ungewisse Zukunft spannen.»
Luc Schaedler

A traditional headhunter song from Nagaland, 2009