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A Long Way Home




Protagonisten

Das verbindende Element in «A Long Way Home» und gleichzeitig das Hauptthema des künstlerischen Schaffens von Wen Hui, Pi San, Ye Fu und den Gao Brothers, ist die Rekonstruktion einer Menschlichkeit, die sie für die ganze chinesische Gesellschaft einfordern.

In ihrem Unbehagen der heutigen chinesischen Gesellschaft gegenüber kommt der Aufarbeitung ihrer persönlichen Familiengeschichte und damit auch der jüngeren Geschichte Chinas ein bedeutender Stellenwert zu. Sich aktiv zu erinnern, ist für sie ein wichtiger Teil ihrer Arbeit, die zu ergründen versucht, woher die Probleme in der Gegenwart stammen. Wie Forscher loten sie in ihrer Arbeit die Möglichkeiten einer kollektiven Heilung aus. Luc Schaedler
 
WEN HUI – Choreographin | Tänzerin
In China gilt Wen Hui als die Mutter des modernen Tanzes. Seit Jahren beschäftigt sie sich mit dem Thema der Erinnerung. In ihrem aktuellen Stück «Red» verarbeitet sie, ausgehend vom gleichnamigen propagandistischen Ballett aus der Kulturrevolution (1966-76), die körperlichen Prägungen dieser traumatischen Zeit.
 
PI SAN – Animationskünstler
Pi San ist in China einem Millionenpublikum bekannt durch seine subversive Trickfilmserie, die im Internet für Furore sorgt. Mit seiner spitzbübischen Cartoonfigur «Kuang Kuang» deckt er Ungerechtigkeiten und Absurditäten des chinesischen Alltages auf. Dabei muss er immer ausloten, wie weit er mit seiner Kritik gehen kann.
 
YE FU – Schriftsteller | Poet
Der ehemalige Polizist Ye Fu, der 1989 aus Protest gegen die Niederschlagung der Demokratiebewegung den Dienst quittierte, hat sich in den letzten Jahren mit seinen autobiographisch geprägten Essays und Blogs, die lautstark nach politischer Veränderung rufen, einen Namen gemacht.
 
GAO BROTHERS – Bildende Künstler | Maler
Gao Zhen und Gao Qiang, international bekannt als Gao Brothers, sind seit der Geburtsstunde der modernen chinesischen Kunstszene im Jahr 1985 dabei. Sie gehören zur Gruppe der kritischen Avant-Garde Künstlern, deren Arbeiten von der Komplexität der jüngeren chinesischen Geschichte und der «condition humaine» in einer globalisierten Welt erzählen.


Historischer Hintergrund

«Der Kampf des Menschen gegen die Macht, ist der Kampf der Erinnerung gegen das Vergessen.» Milan Kundera

Den historischen Background für «A Long Way Home» bilden zwei prägende Phasen der jüngeren chinesischen Geschichte: die Demokratiebewegung von 1989 und die Kulturrevolution von 1966 – 1976.

Ausgehend vom heutigen China bewegt sich A LONG WAY HOME im tiefer ins «Herz der Dunkelheit» der chinesischen Geschichte. Im Zentrum steht dabei die Frage wie Menschen mit historischen und biographischen Brüchen umgehen und wie sie ihre traumatischen Erfahrungen verarbeiten.

Kulturrevolution
Mit systematischer Gewalt wurde während der Kulturrevolution (1966-76) alles Private eliminiert und die sozialen Beziehungen zerstört. Mao Tsetung und die Partei setzten im Alltag auf Verrat, öffentliche Demütigung, Selbstbezichtigung und Umerziehung. Das Misstrauen und die tiefe Verunsicherung prägen bis heute die Beziehungen unter den Menschen.

Tiananmen – 1989
Als Gegenentwurf zur Kulturrevolution steht im Film die Demokratiebewegung von 1989. Was als Studentenprotest in Beijing begann, wuchs bald zu einer breiten Bewegung, der sich Menschen aus unterschiedlichen Bevölkerungsschichten anschlossen. Es war die erste spontane Massenbewegung ausserhalb der Parteistrukturen und zeigte erste Ansätze einer möglichen Zivilgesellschaft, die erst nach Mao’s Tod aufkeimen konnte.

Kurzer Ausblick
Die gewaltsame Niederschlagung durch die Volksarmee war das deutliche Zeichen des Regimes, dass der Protest nicht erwünscht ist und die öffentliche Kritik an der Partei nicht geduldet wird – ein Zustand, der bis heute anhält.