ZUR ENTSTEHUNG DES FILMES
Als ich im Winter 1989 nach einem mehrstündigen Flug von Sydney in Hong Kong landete, war ich begeistert. Die letzte Anflugsschleife führte so nahe an den Hochhäusern vorbei, dass man den Menschen buchstäblich beim Essen zuschauen konnte. Der Flughafen lag mitten in der Stadt. Aus Platzmangel, wie ich richtig vermutete, war die Landebahn ins Meer hinaus gebaut worden.
Damals blitzte mir zum ersten Mal der Gedanken durch den Kopf, dass man einen Film über Hong Kong machen sollte. Denselben Gedanken hatte ich später nochmals, als ich Bekanntschaft machte mit der Chungking Mansions, einem slumartigen Häusergeviert im Herzen von Hong Kong, das hauptsächlich von Migraten aus dem indischen Subkontinent bewohnt wurde. Das bazaarartige Chaos, der Lärm, die exotischen Gerüche und die faszinierende Mischung von Drittwelt und Hightech erinnerten mich an einen meiner Lieblingsfilme, den Sciencefiction Blade Runner von Ridley Scott (1982).
Dass nicht „man“, sondern ich selber, sechs Jahre später, einen Dokumentarfilm über Hong Kong machen würde, hätte ich damals nie zu denken getraut. Aber es sollte anders kommen: Im Herbst 1995 begann ich mit der Arbeit am Film, der als zentraler Teil meines Lizentiates bei Prof. Michael Oppitz geplant war.
BIOGRAPHISCHE ANMERKUNGEN
Über Kindheits- und Adoleszenz Erinnerungen hatte sich mir Hong als eine Stadt der Plastikspielzeuge (Made in Hong Kong) und des Kung-Fu (Bruce Lee) eingeprägt. Spätere Eindrücke von Hong Kong blieben Aussenansichten – meinen Anflug mit dem Flugzeug, habe ich in der Einleitung bereits beschrieben.
Auf der anschliessenden Busfahrt nach Tsim Sha Tsui, flitzten unzählige, chinesische Schilder an mir vorbei – ich war begeistert ob dieser starken Visualität. Heute frage ich mich, ob die Faszination, die von den chinesischen Zeichen ausging, wohl daher rührte, dass ich nur vermuten konnte, was sie bezeichneten. Sie boten sich als Projektionsfeld geradezu an.
Als ich nach einer gewissen Zeit lernte, die Zeichen (nicht deren Bedeutung!) wieder zu erkennen, fühlte ich mich schon fast wie zu Hause. Es stellte sich ein Gefühl ein dazuzugehören – aber das wirkliche Verstehen blieb eine Illusion, es fand nur in der eigenen Phantasie statt. Letztlich blieben die Zeichen visuelle Reize. Deshalb konnte ich auch keinen Film über Hong Kong machen, sondern „nur“ über meine Vorstellungen, meine Konzeption dieser Stadt.


